Deutsch-französische Kooperation

Ausgangslage
Am 13. Dezember 2016 wurde auf der Deutsch-Französischen Digitalkonferenz in Berlin der gemeinsame Weg zur Weiterentwicklung der elektronischen Rechnungslegung geebnet. Neben der Bündelung von Ressourcen stand die Entwicklung einer gemeinsamen technischen Norm im Fokus der Partnerländer. Diese Norm sollte vornehmlich den Bedürfnissen von kleinen und mittleren Unternehmen beim eInvoicing gerecht werden. Das hybride Format, dass in Deutschland bereits seit 2014 für ZUGFeRD-Rechnungen genutzt wird,  bildet die entscheidende Grundlage, denn die Sichtkomponente der Rechnung über das PDF/A-3-Dokument bietet neben den eingebetteten strukturierten XML-Daten wesentliche Vorteile bei der Umstellung von der Papierrechnung hin zur elektronischen Rechnungserstellung und -verarbeitung.

Die Inhalte zur elektronischen Rechnungslegung und weitere Themenschwerpunkte der Deutsch-Französischen Digitalkonferenz können Sie in der zugehörigen Erklärung zur Konferenz nachlesen: Erklärung Deutsch-Französische Digitalkonferenz 2016 (PDF-Datei, 1,7 MB).

Rechtliche Grundlagen
Wesentliche Grundlagen für die Erarbeitung eines gemeinsamen Formats für den elektronischen Rechnungsaustausch waren und sind die EU-Direktive 2014/55/EU sowie die 2017 veröffentlichte EU-Norm EN16931. Auf diesen beiden Grundlagen haben die Experten des französischen Forums „Forum National de la Facture Electronique et des Marchés Publics Electroniques“ (FNFE-MPE) und die ehrenamtlichen Spezialisten des Forums elektronische Rechnung Deutschland (FeRD) technische Umsetzungswege für einen gemeinsamen Standard des elektronischen Rechnungsaustauschs erarbeitet.

Eine bedeutende Gemeinsamkeit zwischen den derzeit veröffentlichten Versionen des Standards (Factur-X 1.0 und ZUGFeRD 2.0) sind die fünf Profile des Standards, die unterschiedliche Anforderungen der Anwender berücksichtigen. Das Profil BASIC stellt die grundlegenden Informationen einer Rechnung, die beispielsweise im Business to Business (B2B) oder Business to Customer (B2C) Geschäftsverkehr genutzt werden kann, zur Verfügung. Das Profil EN16931 (COMFORT) enthält darüber hinaus alle Rechnungsinformationen, die von EU-Richtlinie und EU-Norm vorgegeben werden. Dieses Profil ist daher explizit für den Rechnungsaustausch auch mit öffentlichen Auftraggebern gedacht (B2G). Mit dem Profil EXTENDED, welches das Profil EN 16931 in sich aufnimmt, wird zusätzlich die Integration spezifischer Zusatzinformationen in die elektronische Rechnung ermöglicht. Zusätzlich sind noch zwei weitere Profile (Minimum und Basic WL) erstellt worden, die in Frankreich Buchungshilfen darstellen, in Deutschland aber nicht als vollwertige Rechnungen nutzbar sind.

Bereits heute sind Factur-X und ZUGFeRD 2.0 weitestgehend identisch. Die weitere technische Angleichung der Standards und ggf. die Verschmelzung zu einem Standard wird künftig und unter Würdigung der länderspezifischen rechtlichen Anforderungen Schritt für Schritt umgesetzt.

Deutsch-französischen Zusammenarbeit
Um die gemeinsame Förderung der elektronischen Rechnung voranzutreiben und die weiteren Entwicklungen aufeinander abzustimmen, haben FNFE-MPE und die Arbeitsgemeinschaft für wirtschaftliche Verwaltung (AWV) e.V. ein gemeinsames Memorandum of Understanding (MoU) ausgearbeitet. Dieses MoU bildet die Grundlage für die deutsch-französische Zusammenarbeit und beinhaltet z. B. Regelungen zur gemeinsamen Förderung der elektronischen Rechnung, zum Datenformat, zur Weiterentwicklung der Profile und der technischen Dokumente sowie zu Veröffentlichungen. Die gemeinschaftliche Pflege und Weiterentwicklung von Standard und Unterlagen wird im Jahr 2019 mit einen gegenseitigen Kommunikationsprozess festgelegt.

Das abgestimmte Memorandum of Understanding wird von FNFE-MPE und der AWV im Mai 2019 gezeichnet werden.

Weitere Schritte wie etwa ein länderübergreifender Workshop, bei dem sich französische und deutsche Experten über technische Inhalte austauschen, der Austausch von Erfahrungen mit dem elektronischen Rechnungsaustauschs im privaten und öffentlichen Bereich sowie die Verknüpfung verschiedener Systeme und Formate bei der elektronischen Rechnungsstellung werden in 2019 folgen.

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